München: Schauspieler Paul Sedlmeir und seine Vespa – München


Die Begegnung ist zurückzudatieren auf einen Abend im Herbst 2016. Zu diesem Zeitpunkt hatte dieser Mann seit knapp fünf Jahren einen der bis heute versiertesten TV-Trottel dargestellt. Für viele war und ist dieser Mann “der Riedl”. Ein Serien-Polizist in Wolfratshausen, den seine Kollegen bestenfalls belächeln, schlechtestenfalls ihm den Streifenwagen verweigern und auf ein nicht unklappriges Fahrrad verweisen. Egal ob in Hubert mit oder (inzwischen) ohne Staller. Nun also, an diesem Herbstabend 2016, stand dieser damals 34 Jahre alte Mann vor einem Fahrradständer an der Münchner Freiheit. Ohne Polizeikluft. Aber mit einem Fahrrad.

Es muss bezweifelt werden, dass Zufälle so etwas wie einen Willen haben, aber wenn doch, dann war dieser Zufall offenbar nicht ganz unwillig. Da werkte der Schauspieler Paul Sedlmeir auf einem kleinen Platz an der Münchner Freiheit herum und hatte offenkundig Schwierigkeiten, ein MVG-Leihfahrrad zu aktivieren. Äußerte er da ein sachtes Fluchen? Jedenfalls rief ihm einer, der es nicht lassen konnte, hörbar zu: “Mei, Riedl, kriegst as Schloss ned auf?”

Zu den weniger angenehmen der vielen eher angenehmeren Begleiterscheinungen des Schauspielerberufs gehört, dass die Zuseher oft nicht zwingend zwischen Darsteller und Rolle differenzieren. Bjarne Mädel, der Quoten-Trottel der Erfolgsserie Stromberg, hat darüber des Öfteren berichtet. Möglicherweise aus genau diesem Grund fiel nun dieser Satz an der Münchner Freiheit. Es war halt auch zu komisch. Weil da stand ja nicht der “Riedl” vor Kameras, sondern der echte und ganz wahrhaftige Paul Sedlmeir – und kriegte das mit dem Radl irgendwie nicht gebacken.

Der Abend fand trotz des Zurufs seine Fortsetzung. Sedlmeir, oder wenige Sekunden später, Pauli, setzte erst ein Grinsen auf und sich dann dazu, zu zwei Brüdern, die den warmen Abend für kühles Bier genutzt hatten und sich den Riedl-Spruch nicht verkneifen hatten können. Mei, eine Halbe würde er schon mit ihnen stemmen, meinte Sedlmeir, schmarrn, Pauli, der gerade aus dem Münchner Lustspielhaus um die Ecke gekommen war. Er hatte dort dem Kabarettisten Simon Pearce beigewohnt – und war offenbar mit Kapazitäten für weitere blöde Sprüche ausgestattet. Und so gestaltete sich der Abend noch etwas länger.

Ziemlich genau sechs Jahre nach dieser Begegnung meldet sich der inzwischen 41-jährige Paul Sedlmeir telefonisch bei dem einst Rufenden, um die Dinge geradezurücken. Genauer die Lieblingsdinge, oder in dem Fall eben sein “Lieblingsdings” für die SZ. Während des Telefonats befindet er sich auf dem Weg nach Dortmund, dort wird er später an diesem Dienstagabend beim Champions-League-Fantalk eines Privatsenders von Moderator Thomas Helmer einmal mehr zu seiner berühmtesten Rolle gefragt werden. Er sei doch da der Depp in dieser ARD-Serie.

“Es war halt Liebe auf den ersten Blick”

Daran ist nichts grundsätzlich auszusetzen, wenngleich der Schauspieler und Familienvater Sedlmeir auch und nicht weniger anderer Rollen mächtig ist. Aber zur Abgrenzung des Mimen zum Menschen hilft es manchmal, ganz konkret zu werden. Und so ist bei diesem Telefonat sieben Jahre nach der einstigen Begegnung zu erfahren, dass er das Fahrrad zwar durchaus schätze, “vor allem aus klimatischer Sicht”, aber dass es da eben noch etwas anderes gibt.

Und zwar seine Vespa, auch mit zwei Rädern versehen, aber merklich weniger dem Verfall preisgegeben wie das Hubert-und Staller-Radl. Vor fünf Jahren hat der 41-jährige Münchner es von seinem damaligen Vermieter gekauft. Eine zähe Verhandlung sei dem vorangegangen. Verhandlungspartner: der Klaus, meint Sedlmeir, “ein Abziehbild von einem Hobbyschrauber”. Eines Tages kam Vermieter Klaus mit dem Moped daher, eine Vespa 50N von 1964. “Es war halt Liebe auf den ersten Blick”, meint er. Irgendwann dann war sein Vermieter auch sein Verkäufer – und Paul Sedlmeir Eigentümer eines neuen Zweirads. Sein Gefährt – und künftiger Gefährte.

Bei “Lieblingsdings” erzählen Menschen, woran ihr Herz hängt, was sie durchs Leben begleitet, ihnen Glück bringt und wovon sie sich niemals trennen würden.



Quellenlink https://www.sueddeutsche.de/muenchen/paul-sedlmeir-hubert-und-staller-vespa-1.5684560