Gitarren gegen den Krieg: Grafinger Musiker veröffentlicht Protestsong – Ebersberg


Am Anfang ist da ein seltsames Geräusch, das an einen kreisenden Hubschrauber erinnert. Doch schon bald setzt das Schlagzeug ein, gefolgt von Gitarrenakkorden, die sofort die berühmte musikalische Reminiszenz klar machen: Pink Floyd, “Another Brick in the Wall”. Und später wird sich noch ein nicht minder bekannter Song dazugesellen, nämlich “Eye of the Tiger” von Survivor. Das Ganze ist aber mitnichten nur eine Verbeugung vor den Heroen des Rock, keine reine Spielerei, sondern ein eigenständiges Machwerk mit Botschaft: ein Protestsong gegen Russland, gegen den Krieg in der Ukraine. Gesungen auf Englisch und Russisch.

Geschrieben und eingespielt haben das Lied zwei Musiker aus dem Landkreis: “Wild Willy Westbahn”, alias Willy Mertl aus Grafing, und Peter Kuhn, “der Kühne”, aus Zorneding. “The wall against the war” nennen sie dieses Projekt, seinen Anfang nahm es mit einer Textidee von Kuhn. Auf den Pink-Floyd-Klassiker dichtete er: “we don’t need your propaganda / we don’t need your bloody war / no dark sarkasm in the Kremlin /Putin, leave this world alone!” Eine Anfrage habe das Management der Band unbeantwortet gelassen, erzählt Kuhn – und Westbahn erklärt, dass das in seiner Branche mit Zustimmung gleichzusetzen sei.

Der Song soll zeigen: Nicht alle Russen sind einverstanden mit dem Krieg gegen die Nachbarn

Also machten sich die beiden Gitarristen ans Werk – und hatten gleich noch eine Idee: Was, wenn der Text nicht nur einen englischen, sondern auch einen russischen Teil hätte?! Denn damit ließe sich zeigen, “dass nicht alle Russen mit dem einverstanden sind, was gerade passiert”. Außerdem, erklärt Kuhn, sei der Song gerade auch für die Menschen in der Ukraine gedacht, von denen eben viele die Sprache des Nachbarlandes verstünden. “So können wir ihnen zeigen, dass sie nicht alleine sind!”, so Westbahn.

Wie gut also, dass der Grafinger einen Russen kennt, der bereit war, an dem Song mitzuwirken. Nun geigt, respektive singt er dem Kremlchef ordentlich die Meinung: “Wir haben die Propaganda satt / Hör auf mit den Lügen / Stopp den Krieg, verdammt / Putin! Geh weg! /Hey Putin, raus!” Allerdings kann so ein Engagement für die Familie in der Heimat böse Folgen haben, weshalb der russische Sänger anonym bleibt. Kuhn und Westbahn nennen ihn “Marc Question?”, sein Gesang wurde verzerrt und doppelt aufgenommen, um jede digitale Stimmerkennung zu vereiteln.

“Wir sind nicht so vermessen zu behaupten, dass man mit Musik etwas grundlegend ändern kann, aber hat das nicht schon mal funktioniert? In der Bibel mit den Trompeten von Jericho zum Beispiel?”, fragt Westbahn und lacht. Fest steht auf jeden Fall: Den beiden Musikern war das Projekt die Mühe eines Versuchs wert. Und das, obwohl sie daran keinen Cent verdienen wollen: “The wall against the war” sei ein Non-Profit-Song und deswegen auch nicht auf Bezahlplattformen, sondern nur auf Youtube zu finden. “Und falls das Projekt doch viral gehen sollte und sich dadurch finanzielle Zuwendungen ergeben, werden alle Einnahmen dem Roten Kreuz in der Ukraine gespendet”, verspricht Westbahn.

Vom fertigen Ergebnis ist Initiator Kuhn nun jedenfalls schwer begeistert. Westbahn sei als Arrangeur und Produzent einfach ein Profi, schwärmt der 64-Jährige. “Es ist so toll, was er aus dieser kleinen Idee gemacht hat!” Der Song ist ein klassisches Rock-Brett, die altbekannten Melodien wurden in Westbahns Studio neu eingespielt, und zwar ganz analog, mit Bandmaschine. Nur so kriegt man die Bässe, die man auch im Bauch spürt”, sagt der 61-Jährige und grinst.

Laut Westbahn gab es schon Anfragen von diversen internationalen Radiosendern

Und auch die ersten Kommentare im Internet künden von einigem Beifall. “Genial, klasse, gut gemacht!”, heißt es da. Allerdings halten sich die Aufrufe noch in Grenzen, gerade mal 700 Nutzer haben sich den Song bislang angehört. Vielversprechend seien aber diverse Anfragen von internationalen Radiosendern, erzählt Westbahn, schon mehrmals sei er um eine unkomprimierte Version des Songs gebeten worden – “aus England, Frankreich, Italien und Amerika”.

Alleine bleiben soll “The wall against the war” allerdings nicht, Westbahn und Kuhn planen, im kommenden Jahr gemeinsam ein ganzes Blues-Rock-Album herauszubringen. Darauf soll es eigene Stücke zu hören geben, aber auch Covers wie eben “The wall” oder auch eine etwas härtere Version von “Stand by me”.

Das brennende Auto aus dem Video stammt nicht aus dem Kriegsgebiet – ganz im Gegenteil

Im Video zu “The wall” ist übrigens ein komplett brennendes Auto zu sehen, Sinnbild für den fürchterlichen Krieg in der Ukraine. Aufgenommen wurde das Bild allerdings in Westbahns Nachbarschaft im beschaulichen Dichau – “ja, faken, das können wir auch!” Aber die Message an russischen Machthaber wird ohnehin mehr als klar, die letzte Zeile des Songs lautet: “all in all you’re just another fascist old bone”. Das ist doch mal eine klare Ansage.



Quellenlink https://www.sueddeutsche.de/muenchen/ebersberg/grafing-wild-willy-westbahn-protestsong-ukraine-putin-1.5662589